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Besondere Belege der Esslinger Postgeschichte

Neu entdeckt: Landpoststempel "Lederbergsiedlung" aus 1929

Beitrag vom 8. November 2015

Nachdem erst vor kurzem die genaue Datierung des kleinen Stempels "deEßlingen" gelungen ist, konnte jetzt ein weiteres Rätsel um die Esslinger Poststempel, genauer gesagt der Esslinger Landpoststempel, gelöst werden.

Nach immerhin 86 Jahren wurde ein weiterer bisher noch nie nachgewiesener Landpoststempel der Postelle Lederberg gefunden. Dieser bestätigt meine Vermutung, dass der bislang bekannte Landpoststempel mit der Bezeichnung "Lederberg Eßlingen (Neckar) Land" einen Vorgänger haben muss, deutlich erkennbar an der Unsymmetrie der Beschriftung "Lederberg". Es war immer klar, dass hier ein Teil der Ortsbezeichnung entfernt wurde. Und das hat sich nun auch bestätigt.

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Im Nachrichtenblatt der Oberpostdirektion Stuttgart wurde die Eröffnung der Landpoststelle am 16.4.1929 angekündigt: "Mit Wirkung vom 1. Mai 1929 an wird in der Lederbergsiedlung (Gemeinde Heumaden) eine Poststelle eingerichtet. Leit-Postamt ist das Postamt Eßlingen (Neckar)." Die Bezeichnung im Ortsverzeichnis von Württemberg lautete: "Lederbergsiedlung - Eßlingen (Neckar) Land".

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Diesen Landpoststempel konnte ich nun endlich finden! Er dürfte äußerst selten sein, da er vermutlich nicht mal ein Jahr in dieser Form in Gebrauch war. Die Seltenheit erklärt sich natürlich auch durch die geringe Anzahl der Bewohner des Ortes Lederberg, dort lebten 1929 nicht einmal 150 Einwohner! Es ist schon ein kleines Wunder, dass dieser Stempel tatsächlich aufgetaucht ist. Die Landpoststempel aus Lederberg zählen zu den seltensten Landpoststempeln im Bereich der Leitpostamts Esslingen (Neckar). Bisher habe ich für die drei bekannten Landpoststempel (incl. dem neu Gefundenen) nur 6 Abschläge erfasst, von Type 2 lediglich einen Abschlag auf Briefstück.

Landpoststempel erfreuen sich unter Heimatsammlern großer Beliebtheit. Manche Landpostbereiche sind so gut erforscht, dass praktisch ausgeschlossen ist, dass heutzutage noch neue Landpoststempel aus diesen Landpostbereichen gefunden werden können.

In Esslingen wurden die Landpoststempel leider nie systematisch gesammelt bzw. erfasst. Deshalb ist bis heute nicht klar, ob eventuell neue Landpoststempel noch auftauschen werden. Insgesamt habe ich jetzt 75 verschiedene Landpoststempel nachgewiesen, acht Stempel fehlen mir noch in meiner Stempeldokumentation. Es sind also bisher insgesamt 83 Landpoststempel von Esslinger Landpoststellen dokumentiert.

Die folgenden Landpoststempel fehlen mir noch in meiner Sammlung. Sollten Sie Abschläge auf Ganzstück oder Briefstück finden, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung.

Hegensberg - Type 1
Kennenburg - Type 1

 

Neckarhalde - Type 4
Krummhardt - Type 4

 

Sulzgries - Sondertype

 

Kennenburg - Type 5
Oberhof - Type 5
Krummhardt - Type 5


Der erste Poststempel von Esslingen - endlich datierbar!

Beitrag vom 14. Mai 2015

Manchmal dauert es Jahre oder Jahrzehnte, bis man ein kleines philatelistisches Geheimnis lösen kann. Und genau das macht unser Hobby so spannend. Doch zuerst zur Ausgangssituation. Trotz jahrelanger Forschung ist es uns bisher nicht gelungen, den kleinen Stempel deEsslingen. in die zeitliche Ordnung der Esslinger Poststempel einzureihen. Aus der Zeit vor 1800 sind uns seit längerem der große deEsslingen. (Abmessungen 25 x 4 mm), der vESSLING und eben einmal nachgewiesen ein sehr kleiner deEsslingen. mit den Abmessungen 21 x 3 mm bekannt. Kleines Problem: der kleine Abschlag liegt nur auf einer Briefhülle vor und war damit zeitlich gegenüber den anderen beiden Stempelformen nicht einzuordnen. (Deshalb auch bei Feuser nicht aufgeführt).

Doch jetzt taucht dieser sehr kleine Stempel auf einem vollständig erhaltenen Brief ein zweites Mal auf mit dem Datum des Inhalts 11. Juli 1764 (und 8.10.1763). Es handelt sich bei dieser kleinen Form also jetzt nachweislich, was lange vermutet wurde, um den ersten Poststempel von Esslingen!

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Brief der Reichsritterschaft Esslingen aus dem Jahr 1763, links oben mit Abschlag des kleinen deEsslingen. (Sammlung: Gerhard Kümmel, Esslingen)

Der erste bekannte Abschlag des großen deEsslingen datiert vom 15. August 1764. Offen bleibt für weitere Forschungen, warum die beiden Stempel vESSLING und der große deEsslingen. zeitlich überlappend verwendet wurden.


Tauchbootbrief - 2. Teil

Beitrag vom 29. Mai 2012

Zur Geschichte der Tauchbootbriefe habe ich bereits in meinem Beitrag vom 20. April 2007 einiges geschrieben (siehe unten). Damals konnte ich nur einen Tauchbootbrief aus Esslingen und einen Zuleitungsumschlag nachweisen - beide jedoch mit unterschiedlichen Stempeldaten. Mittlerweile sind einige Jahre vergangen, in denen weitere Tauchbootbriefe aus Esslingen aufgetaucht sind und angeboten wurden. Aktuell habe ich nun 5 Tauchbootbriefe erfasst, die in Esslingen an unterschiedlichen Tagen aufgegeben wurden (8.1., 9.1., 12.1., 13.1. und 15.1.1917).

Wie viele es tatsächlich gibt, lässt sich schwer abschätzen. Esslingen ist ein relativ kleiner Ort (zumindest im Vergleich zum benachbarten Stuttgart). Dass die Zahl der Tauchbootbriefe (auch anderer Orte) "überschaubar" ist, dürfte ganz sicher an den hohen Zuleitungskosten der Briefe an die Werft in Bremen liegen. Dadurch ist eine philatelistische Beeinflussung weitgehend ausgeschlossen, in der Regel handelt es sich um Bedarfspost. Darüber hinaus war zum Zeitpunkt der Versendung nach Bremen natürlich nicht bekannt, dass die geplante Tauchbootfahrt durch den Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg ausfallen würde.

Bei den Zuleitungsumschlägen hat sich allerdings nichts geändert! Ich kenne nach wie vor nur den damals von mir gezeigten Zuleitungsumschlag aus Esslingen vom 12.1.1917 (siehe untere Abbildung). Diese Zuleitungsumschläge sind bekanntlich nur aus dem Bereich der württembergischen Post erhalten geblieben, und von den Königlich Württembergischen Verkehrsanstalten dem Handel zur Verfügung gestellt worden. Die Anzahl der Tauchbootbriefe und zugehöriger Zuleitungsumschläge aus einem bestimmten Ort war identisch, allerdings sind die Zuleitungsumschläge wesentlich seltener im Handel zu finden als die Tauchbootbriefe. Über die Gründe kann man nur spekulieren.

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Tauchbootbrief aus Esslingen vom 12.1.1917, frankiert zum Auslandstarif mit 20 Pfennig. Der Zensurstempel X wurde in der Werft in Bremen angebracht. Erworben im Frühjahr 2012 ...

Seit ich vor ca. 10 Jahren den Esslinger Zuleitungsumschlag erwerben konnte, habe ich nach dem passenden Tauchbootbrief selben Datums gesucht. Vor einigen Monaten hatte ich dann das große Glück, diesen Brief bei einer Auktion ersteigern zu können (siehe oben)! Mir ist nicht bekannt, wie viele weitere Paare "zusammengehörender" Tauchbootbriefe und Zuleitungsumschläge bei Sammlern existieren, ihre Anzahl dürfte äußerst gering sein.

Einige befreundete Heimatsammler haben mir mitgeteilt, dass sie schon seit vielen Jahren versuchen ein passendes Paar für ihre Sammlung zu bekommen. Aber selbst aus Stuttgart, wo die meisten Tauchbootbriefe aus Württemberg aufgegeben wurden, konnte ein solches Paar bisher nicht dargestellt werden. Daran kann man erkennen, wie schwer es sein kann, wenn man "postgeschichtlich" unterwegs ist. Denn erst die zweifelsfreie Kombination beider Belege stellt eine eindrucksvolle philatelistische Dokumentation der "Tauchbootpost-Story" dar!

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... und der zugehörige Zuleitungsumschlag, frankiert mit dem zehnfachen Porto - 2 RM - für die Zuleitung nach Bremen. Bereits seit 2002 in meinem Besitz.

Beide Belege sind mit demselben Tagesstempel von Esslingen entwertet, die Uhrzeit stimmt ebenfalls überein (12. JAN 17 3N). Auch die Handschrift ist unverkennbar identisch. Es besteht kein Zweifel daran, dass diese beiden Belege wirklich zusammengehören. Es gehört schon eine ganze Menge Glück dazu, so ein zusammengehörendes Paar für die Sammlung zu bekommen - insgesamt hat es fast 10 Jahre gedauert!


Fehlgeleitete Postkarte vom 29.12.1997

Beitrag vom 7. August 2011

Zur Abwechslung mal etwas ganz Modernes. Allerdings muß gleich gesagt werden, daß es sich hierbei nicht um Massenware handelt! Tatsächlich ist die gezeigte Karte der einzig mir bekannte Beleg, der einem falschen Esslingen zugeleitet wurde.

Die Karte wurde am 29.12.1997 im Briefzentrum 04 (Leipzig) gestempelt. Eine weitere Bearbeitung konnte dort aber nicht erfolgen, da der automatische Anschriftenleser die alte Handschrift nicht entziffern konnte. Hinzu kommt noch, daß die alte vierstellige Postleitzahl 7300 von Esslingen am Neckar in der Adresse angegeben war. Zurückgeben konnte man die Karte ebenfalls nicht, es war kein Absender angegeben.
Aus dem Ortsverzeichnis des Postleitzahlenbuchs wurde die erste Postleitzahl, die für Esslingen gefunden wurde, auf die Karte notiert (handschriftlich: zur Anfrage 54636). Eine Zielcodierung wurde nicht angebracht.

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Die Karte wurde also zunächst nach "54636 Eßlingen" bei Bitburg geleitet. Dort konnte die Karte natürlich nicht zugestellt werden. Unabhängig davon ob man dort die Anschrift lesen konnte, hat man anhand der alten Postleitzahl sofort erkannt, daß die Karte nach Esslingen am Neckar gehört. Es wurde also der Nebenstempel Empf. in 54636 Eßlingen unbekannt angebracht und die Karte nach Esslingen am Neckar weitergeleitet (es ist schon erstaunlich, daß in dem kleinen Postamt in Esslingen bei Bitburg ein solcher Stempel überhaupt existiert hat).

Eigentlich wäre jetzt alles in Bester Ordnung gewesen, aber beim Zustelldienst in Esslingen (diesmal dem richtigen), konnte man mit der Karte zunächst nichts anfangen. Es wurde zwar die korrekte Postleitzahl 73732 für Esslingen-Sulzgries handschriftlich aufnotiert, der Zusteller konnte aber weder den Namen noch die Angabe der Straße entziffern. Die Karte ist also wieder beim Esslinger Zustelldienst gelandet, die notierte Postleitzahl wurde gestrichen und der übliche Rahmenstempel für unanbringliche Postsendungen angebracht.

Daß die Karte doch noch zugestellt werden konnte, ist einem der Esslinger Zusteller zu verdanken, der die alte Handschrift noch lesen konnte. Er hat den Familiennamen und Straße mit Hausnummer notiert. Von ihm stammen auch die grünen Markierungen mit dem Textmarker. Am nächsten Tag wurde die Karte endlich zugestellt.

Der Empfänger Ernst Heilemann, leider vor einigen Jahren verstorben, war Mitglied im Briefmarkensammler-Verein in Esslingen, und hat damals seinen Zusteller bezüglich der Behandlung dieser Karte in Esslingen befragt. Von ihm stammt der Teil der obigen Beschreibung den Zustelldienst von Esslingen am Neckar betreffend. Die Karte habe ich erst vor kurzem von einem Händler bekommen - zum Glück zusammen mit der damals erstellten Beschreibung.


Nebenstempel und postalische Vermerke auf Einschreiben

Beitrag vom 13. Juli 2010

Manchmal ist es gar nicht so leicht, einen "besonderen" Beleg zu finden, den man hier in dieser Rubrik zeigen könnte. Der folgende Einschreibe-Brief hat gleich mehrere Besonderheiten, die ihn nicht nur für einen Heimatsammler interessant machen.
Der Brief wurde am 14.10.1950 in Hettensen bei Uslar aufgegeben, adressiert nach Esslingen an Herrn Bernhard Braun in der Esslinger Straße 51. Das Porto (20 Pfg. Brief + 40 Pfg. Einschreiben; Porto-Periode ab 1.9.1948) wird durch eine ungezähnte 60er der Bauten-Serie dargestellt, der Brief ist also portogerecht frankiert.

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Es mag vielleicht ein bisschen seltsam klingen, aber damals gab es in der Stadt Esslingen tatsächlich keine Esslinger Straße. Auch ein Bernhard Braun ist in den Adreßbüchern der damaligen Zeit nicht in Esslingen verzeichnet.
Im Landbereich des Postamts Esslingen gab es aber drei Gemeinden, die damals eine Esslinger Straße hatten. Der Brief wurde also vom Postamt Esslingen an diese Gemeinden weitergeleitet. Zunächst gelangte der Brief nach Hegensberg, wurde aber mit dem schriftlichen Vermerk "in Hegensberg unbek. 16.10. Schlesinger" wieder zurück nach Esslingen geleitet (Franz Schlesinger war damals der Leiter der Poststelle in Hegensberg).

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Nächste Station war Altbach, aber auch hier konnte der Brief nicht zugestellt werden. Am 21.10. wurde dort der bisher unbekannte Nebenstempel In Altbach/Württ. unbekannt von der Posthalterin Marie Reyer abgedruckt. Und wieder ging der Brief nach Esslingen zurück.

Seine letzte Station im Esslinger Landbereich war schließlich der Ort Nellingen auf den Fildern. Weil auch dort der Brief nicht zugestellt werden konnte, wurde vom Nellinger Briefträger Beck am 24.10. der ebenfalls bisher unbekannte Nebenstempel Empfänger in Nellingen a. Fildern (Württ.) unbekannt abgedruckt und der Brief zum Postamt Esslingen zurück geleitet. Dort wurde auf der Vorderseite der ebenfalls bisher unbekannte Nebenstempel Zurück an Absender angebracht, und der Brief an den Absender nach Hettensen zurück geschickt.

Neben der ungezähnten Marke weist dieser Brief also drei bisher unbekannte Nebenstempel auf, die optisch ansprechend alle in roter Stempelfarbe abgeschlagen wurden. Das verleiht diesem Beleg ein äußerst attraktives Aussehen!
Daß die beiden Tagesstempel aus Altbach und Nellingen jeweils neuestes LD aufweisen, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber.

Aber einen kleinen Makel hat der Brief doch: der kleine Pfeil oberhalb der ungezähnten Marke wurde irgendwann dereinst mit Kugelschreiber angebracht. Man kann auch ganz deutlich sehen, daß bereits versucht wurde, diesen Pfeil chemisch zu entfernen (natürlich erfolglos). Bitte liebe Sammler und Händler: lasst das sein! Wenn es unbedingt sein muß, notiert wichtige Kommentare auf der Rückseite mit Bleistift, oder am besten auf einem kleinen Zettel.


Empfänger unbekannt; Formular der Esslinger Briefträger

Beitrag vom 31. März 2009

Wenn man sich die Vorderseite des folgenden Briefes betrachtet, könnte man zunächst annehmen, daß es sich hierbei "nur" um einen Standard-Germania-Brief handelt. Er wurde am 23.3.1906 in Berlin abgeschickt (Uhrzeit 8-9N) und erreichte Esslingen am 24.3.1906 zwischen 12 und 15 Uhr (Ankunftsstempel). Allerdings war in der Adresse keine Strasse angegeben, weshalb sich die Zustellung etwas schwierig gestaltet hat.

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Um die exakte Adresse des Empfängers ermitteln zu können (und damit natürlich den zuständigen Briefzusteller), konnte entweder im Städtischen Adressbuch nachgesehen werden (dort wurde der Name wohl nicht gefunden), oder es wurde der Brief bei allen Briefträgern durchgereicht. Hierfür wurde auf der Rückseite ein Formular angebracht, auf dem jeder Esslinger Briefträger durch seine Unterschrift die Vorlage des Briefes quittiert hat.

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Die folgenden Briefträger haben unterschrieben:

  1. Schmid I
  2. Gneiding
  3. Maute
  4. Starz
  5. Armbrust
  6. Seyerle
  7. Kübler
  8. Schmid II
  9. Luick
  10. Friesch
  11. Scharpf
  12. Gechter
  13. Deppler
  14. Weinhardt

Einer dieser Briefträger kannte wohl den neuen Aufenthaltsort des Empfängers, der Brief wurde deshalb nach Tuttlingen weitergeschickt und hat den Empfänger wohl auch erreicht. Wäre die Abfrage bei den Briefträgern erfolglos gewesen, hätte man den Brief nach Berlin zurückschicken müssen.

Derartige Formulare aus dem Briefeingang sind auch bei großen Postämtern keine Massenware. Leider wurden diese oft von den Briefen abgerissen, entsprechend selten sind Briefe mit komplettem Formular. Von Esslingen sind mir lediglich zwei Briefe bekannt.


IVA-Vorführpost

Beitrag vom 30. August 2008

Bei dem folgenden Beleg handelt es sich zwar nicht um einen Brief, der aus Esslingen abgeschickt wurde, aber ich finde ihn trotzdem so interessant, daß ich ihn hier vorstellen möchte.

Auf der Internationalen Verkehrs-Ausstellung 1979 in Hamburg wurde am Messestand der Deutschen Bundespost die Technik der sog. Linearcodierung vorgestellt. Die fluoreszierende Codierung am unteren Rand des Briefes besteht hierbei aus 30 Strichen, in denen die Postleitzahl des Adressaten für die maschinelle Bearbeitung eincodiert wurde. Die Belege, die alle mit Fantasieadressen beschrieben sind, konnten die Besucher am Messestand kostenlos erhalten.

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Von rechts nach links gelesen kann man die Postleitzahl (hier 7300) recht einfach entschlüsseln. Die PLZ war damals 5-stellig codiert, die erste Stelle ganz rechts war die Prüfsumme. Diese wurde durch Addition aller Stellen gebildet, die resultierende Summe war immer durch 10 teilbar.

Jede Ziffer der Postleitzahl wurde mit 4 Strichen und 2 Lücken codiert, wobei die Information der PLZ-Ziffer in den Lücken enthalten war. Um diesen Code für alle Ziffern erfüllen zu können, wurde die PLZ-Ziffer "0" aus den Lücken über 4 und 7 dargestellt. Die Codierung der Esslinger Postleitzahl zeigt das folgende Bild.

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Ähnliche Belege gab es Anfang der 60er Jahre vom PTZ (Posttechnisches Zentralamt) in Darmstadt. Sollten Sie einen solchen Beleg nach Esslingen gerichtet abzugeben haben, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung.


Stempel-Ausmusterungskarte

Beitrag vom 5. Juni 2008

In dem kleinen Esslinger Vorort Mettingen wurde am 21.3.1908 eine Postagentur eingerichtet. Als Stempelgerät wurde ein typischer württembergischer Einkreisstempel ohne Uhrzeittype verwendet, wie dies bei kleinen Orten im Königreich Württemberg üblich war. Am 1.4.1921 wurde die Mettinger Postagentur in ein Postamt umgewandelt, als Stempelgerät wurde nun ein Datumbrückenstempel mit Uhrzeitangabe verwendet.

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Die gezeigte Ausmusterungskarte belegt, daß das württembergische Stempelgerät bis zum 1.12.1939 im Postamt Mettingen vorhanden war. Die reguläre Verwendungszeit des Stempels ist bisher nachgewiesen bis zum August 1919. Die Vermutung liegt nahe, daß der Stempel fast 20 Jahre lang als Innendienststempel weiterverwendet wurde. Entsprechende Belege konnte ich aber bisher leider nicht finden.

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Das Stempelgerät (mit den Einstecktypen) wurde zusammen mit der Ausmusterungskarte am 2.12.1939 über das Leitpostamt Esslingen an die zuständige RPD Stuttgart überstellt, wo der Stempel schließlich vernichtet wurde.


Ganzsachen mit privatem Zudruck

Beitrag vom 7. April 2008

Die Esslinger Museumsgesellschaft war eine Vereinigung von Bürgern der sogenannten gehobenen Klasse, die es sich zum Ziel gesetzt hat, durch Weiterbildung und gesellschaftliche Veranstaltungen Kultur zu pflegen. Sie bestand seit 1816 zunächst als Lesegesellschaft, wurde 1818 umgestaltet und nannte sich seither "Museum". Die Zahl der Mitglieder erreichte im ersten Jahrzent des 20. Jahrhunderts ihren höchsten Stand mit 150 Mitgliedern. Im Herbst des Jahres 1937 wurde die Gesellschaft aufgelöst.
[Quelle: Esslinger Studien, Zeitschrift 31, 1992; S. 103ff, "Die Esslinger Museumsgesellschaft" von Ursula Rojnica]

Am 11. September 1909 schickt der "Ausschuß für Vergnügen" der Museumsgesellschaft Esslingen an den Esslinger Tierarzt Dr. Allmann eine Einladung zum bevorstehenden Sommerfest auf der Burg.
Ganz unten auf der Karte steht der Hinweis Bei schlechtem Wetter findet nur Konzert und Tanz im Museum statt; Beginn 8 Uhr.

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Es war wohl damals abzusehen, daß das Sommerfest wegen schlechten Wetters nicht stattfinden kann, deshalb wurde eine weitere Ganzsache mit entsprechendem Zudruck versehen und den Mitgliedern der Museumsgesellschaft Esslingen am 14. September 1909 zugeschickt. Die Uhrzeitangabe "N 5" im Poststempel zeigt, daß der Zudruck auf dieser Karte recht kurzfristig angefertigt wurde. Die Karte ist dann am folgenden Tag, an dem das Sommerfest hätte stattfinden sollen, bei den Mitgliedern zugestellt worden.

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Aus der selben Korrespondenz stammt die folgende Einladung zu einem Ausflug nach Lorch, geplant am 27. Mai 1906. Absender war ebenfalls die Museumsgesellschaft Esslingen. Der Ortstarif waren damals 2 Pfennig. Die Postkarte mit Antwortpostkarte wurde auf beiden Seiten bedruckt!

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Zum Glück hat Dr. Allmann an diesem Ausflug nach Lorch nicht teilgenommen, sonst wäre diese schöne Postkarte mit Antwortkarte vermutlich zerteilt worden.

Bisher kannte ich Ganzsachen mit privatem Zudruck lediglich von Esslinger Firmen und Behörden. Ein privat angefertigter Zudruck eines Vereins hatte ich bisher aus kostengründen ausgeschlossen.
Innerhalb der Masse an Poststücken sind Ganzsachen mit privatem Zudruck generell selten und schwierig zu finden.


Nebenstempel "Zurück nach" Esslingen

Beitrag vom 12. Dezember 2007

Schöner lässt sich ein postalischer Nebenstempel nicht dokumentieren!

Dieser Musterungsbescheid vom Rekrutierungsamt innerhalb Esslingens am 23.2.1912 verschickt und einen Tag später zurück gesendet dokumentiert eindrucksvoll, daß es sich hierbei tatsächlich um einen Nebenstempel der Esslinger Post handelt.
Am Oberrand steht der Hinweis des Zustellers "Abgereist, wohin unbekannt".
Interessant ist auch, daß die Adresse (bzw. die Strasse) des Rekrutierungsamtes nicht auf der Vorladung angegeben ist. Die Strasse wurde von der Post für die Rücksendung auf der Karte notiert (Sirnauerstr. 14I).

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Die Vorladung ist mit 3 Pfennig portogerecht frankiert. Das Porto für Postkarten im Ortsverkehr wurde am 1.4.1908 von 2 auf 3 Pfennig erhöht.
Das folgende Bild zeigt die Rückseite der Vorladung:

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Katapultbrief aus den USA nach Esslingen

Beitrag vom 25. September 2007

Katapultbriefe sind eigentlich nichts interessantes, jedoch ein Katapultbrief aus den USA nach Esslingen geschickt, ist zumindest für den Heimatsammler etwas besonderes. Leider sind die meisten Katapultbriefe philatelistisch beeinflusst, auch dieser Brief hat keinen Absender notiert.

Aufgegeben wurde der Brief am 27.7.1932 in Varick St. Annex im US-Bundesstaat New York. Das Auslandspostamt von New York hat den Brief am selben Tag gestempelt und zur Beförderung per Schiff freigegeben. Der Dampfer "S/S Bremen" verließ den Hafen von New York am 28.7.1932 mit Ziel Southampton.

Die Briefgebühr in Höhe von 24 Cents setzt sich folgendermaßen zusammen:

  • 5 Cent für den Brief
  • 4 Cent Luftpostzuschlag innerhalb USA, und
  • 15 Cent für den Schleuderflug.

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Am 1.8.1932 um 10 Uhr morgens war es dann soweit, und der Katapultflug nach Southampton wurde gestartet. Die Distanz nach Southampton betrug etwa 1000 km, der Flug hätte ca. 6 Stunden gedauert (die planmäßige Ankunft des Dampfers Bremen war am Abend des 2.8.1932).
Dieser Flug hat aber sein Ziel nicht erreicht! Das Flugzeug musste wegen technischer Probleme seinen Flug nach Southampton abbrechen und zum Schiff zurückkehren. Welcher Art die technischen Probleme waren, ist nicht bekannt. Sie müssen aber derart gravierend gewesen sein, daß Flugkapitän Grütering und sein Funker Zimmermann keinen zweiten Startversuch unternommen haben.
Die Katapultpost kam also erst am 2.8.1932 in Southampton an. Dort wurden die ankommenden Postsendungen per Luftpost weiterbefördert.

Der gezeigte Brief erreichte das Stuttgarter Luftpostamt am 3.8.1932, dort wurde der rote Stuttgarter Luftpoststempel auf der Vorderseite angebracht. Anschließend wurde der Brief nach Esslingen weiterbefördert, wo er zwischen 21 und 22 Uhr abends ankam (Ankunftsstempel).

Eigentlich hätte ich erwartet, daß ein entsprechender Hinweisstempel auf dem Brief angebracht wurde, der auf den Abbruch des Fluges hinweisen würde. Aber diese Stempel wurden nur dann verwendet, wenn der Schleuderflug überhaupt nicht gestartet wurde (dies war dann der Fall, wenn z.B. das Katapult defekt war). Bei dem gezeigten Brief wurde der Schleuderflug gestartet, der Versuch einer beschleunigten Beförderung hat also stattgefunden. Der Abbruch des Fluges und die Rückkehr des Flugzeugs auf das Schiff wurden leider nicht auf den Briefen vermerkt.


Notstempel Hohenkreuz

Beitrag vom 20. Juli 2007

Den unten abgebildeten Beleg habe ich vor einigen Jahren bei einem Händler in der Kategorie "Notstempel" gefunden. Solche Stempel sind natürlich sehr selten, sie zu finden ist reine Glückssache. In die Stempelhistorie des Esslinger Stadtteils Hohenkreuz habe ich diesen Stempel aufgenommen, er fügt sich prima in die bisher erfassten Stempel von Hohenkreuz ein.

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Trotzdem habe ich mir öfter die Frage gestellt, ob es sich wirklich um einen Notstempel handeln kann. Es gibt doch einige Hinweise, die dagegen sprechen. Um nun hinter das Geheimnis dieses Stempels zu kommen, gehen wir zurück in die Zeit, als Esslingen von den Alliierten Truppen besetzt wurde.

20.April 1945: vom Süden her nähern sich die Franzosen, vom Norden her rücken die Amerikaner auf Esslingen vor. Eine Gesandtschaft aus Esslingen ergibt sich den Amerikanern, es folgt die Besetzung Esslingens. Die Amerikaner belegen die Kaserne nördlich von Esslingen, alle Behörden und Ämter werden geschlossen. Direkt gegenüber der Kaserne befand sich damals das kleine Postamt von Hohenkreuz. Man darf davon ausgehen, daß es ebenfalls geschlossen wurde.
Im Mai kehrten die Franzosen nach Esslingen zurück, der Landkreis Esslingen gehörte somit zur französischen Besatzungszone. Die Franzosen unternahmen keinerlei Anstrengungen, den Postverkehr in Esslingen wieder zuzulassen.
Nach 6 Wochen französischer Besetzung kamen die Amerikaner am 8.7.1945 nach Esslingen zurück und blieben bis zum Ende der Besatzungszeit. Am 20.8.1945 konnte endlich der Postverkehr wieder aufgenommen werden. Es begann die Zeit der Notmaßnahmen und der Postzensur.

In Esslingen hatten nach dem Krieg von den ehemals vier Postämtern nur zwei geöffnet: das Hauptpostamt gegenüber dem Bahnhof und das Postamt 3 am Charlottenplatz. Das Postamt 2 und das Postamt in Hohenkreuz (Postamt 4) blieben geschlossen. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.
1947 wurde das Postamt in Hohenkreuz wieder geöffnet, das früheste Stempeldatum, das ich erfasst habe, ist der 10.4.1947. Dieser Beleg ist gestempelt mit dem Poststempel aus Hohenkreuz, der auch vor der Schließung des Postamts verwendet wurde (letztes erfasstes Stempeldatum 12.2.1945). Dieser Poststempel war also verfügbar, warum hätte also ein Notstempel angeschafft werden müssen? Wäre das Postamt in Hohenkreuz 1945/46 geöffnet gewesen, hätte man doch sicher den Hohenkreuzer Poststempel verwendet.

Ich hatte eine Zeitlang vermutet, daß dieser Poststempel von den Besatzern beschlagnahmt wurde, und - so meine Vermutung - erst 1947 wieder an das Postamt zurückgegeben wurde.

Drei Gründe sprechen jedoch dagegen: Ein großer Teil der R-Zettel aus Hohenkreuz mit der Beschriftung "Esslingen (Neckar) 4" wurden am Hauptpostamt aufgebraucht (klassische Notmaßnahme). Diese Belege findet man sehr zahlreich, meist handelt es sich um zensierte Post. Warum hätten die Besatzer nur den Poststempel beschlagnahmen sollen, nicht aber auch die Formulare des Postamts in Hohenkreuz?

  • Wie bereits oben erwähnt, war nach dem Krieg das Postamt 2 in Esslingen geschlossen. Es wären also Poststempel verfügbar gewesen, mit denen man das Postamt in Hohenkreuz hätte ausstatten können. Dies ist jedoch nicht passiert, erst ab 1949 tauchen Belege auf (frühestes Datum nach dem Krieg: 11.1.1949), die mit den Poststempeln vom Postamt 2 gestempelt sind. Nachweislich war das Postamt 2 aber noch 1948 geschlossen, bis zu diesem Zeitpunkt hätte man also die Poststempel verwenden können. Mal ganz davon abgesehen, daß die Beschlagnahme eines Poststempels recht sinnlos erscheint.

  • Wenn es sich um einen Notstempel handelt, warum wurde mit ihm die Briefmarke nicht entwertet? Gerade das ist doch eine charakteristische Eigenschaft eines "Notstempels", einen Tagesstempel in vollem Umfang zu ersetzen, also auch Briefmarken damit zu entwerten! Dies ist hier nicht passiert.
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    Für mich typische Notstempel sind z.B. die württembergischen Wanderstempel, die überall dort eingesetzt wurden, wo Poststempel repariert werden mussten, also für mehrere Tage nicht zur Verfügung standen. Anstelle des Poststempels wurde dann ein Wanderstempel verwendet. Und mit Ihnen wurden selbstverständlich auch Marken entwertet.

    Um was also handelt es sich nun?

    Vor dem Hintergrund, daß das Postamt in Hohenkreuz geschlossen hatte (warum auch immer), kann es sich nur um einen provisorischen Landpoststempel handeln!

    Ich gehe davon aus, daß zu Beginn der Besatzungszeit das Postamt in Hohenkreuz komplett geräumt wurde, und sämtliche Utensilien daraus im Hauptpostamt eingelagert wurden. So erklärt sich auch, warum die R-Zettel aus Hohenkreuz im Hauptpostamt aufgebraucht werden konnten.
    Anders dagegen die Situation beim Postamt 2: nach dem Krieg war es für einige Jahre geschlossen, blieb aber komplett eingerichtet. Mangel an Personal mag ein Grund gewesen sein, das Postamt 2 geschlossen zu lassen. Es war aber wohl immer geplant, dieses Postamt sobald wie möglich wieder zu öffnen.
    In Hohenkreuz dagegen wurden die Räumlichkeiten des ehemaligen Postamts wohl anderweitig belegt, vermutlich von den amerikanischen Besatzern. Zu diesem Zeitpunkt war es wohl nicht absehbar, ob und wann das Postamt in Hohenkreuz wieder eingerichtet werden konnte.

    Für die Bewohner von Hohenkreuz hatte dies natürlich unangenehme Konsequenzen: sie mussten nun also jedesmal den beschwerlichen Weg hinunter nach Esslingen und anschließend wieder hinauf nach Hohenkreuz auf sich nehmen, nur um einen Brief bei der Post aufzugeben. Dieser Zustand war auf Dauer untragbar.

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    Deshalb gehe ich davon aus, daß nach dem Krieg in Hohenkreuz eine privat geführte, provisorische Landpoststelle eingerichtet wurde, um der Bevölkerung in Hohenkreuz zumindest eine postalische Grundversorgung garantieren zu können.

    Wie bei jeder Landpoststelle üblich, wurde auch dort ein Landpoststempel verwendet, der nicht zur Entwertung der Marken verwendet werden durfte. Die Landpoststempel waren ein reiner Herkunftsnachweis auf einer Postsendung. Und in dieser Form liegt ja der vermeintliche Notstempel aus Hohenkreuz vor.


    Nachfrankierte Belege ins Ausland

    Beitrag vom 15. Mai 2007

    Auf den ersten Blick handelt es sich um eine ganz gewöhnliche Karte, ins Ausland adressiert - eigentlich nichts besonderes. Aber wenn man genau hinsieht, erkennt man, daß zwei Poststempel unterschiedlichen Datums abgeschlagen wurden. Was ist hier passiert?

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    Die Karte wurde fälschlicherweise nur mit dem Inlandsporto frankiert (1,50 Mark), sollte aber nach Frankreich, also ins Ausland befördert werden. Dafür wäre aber ein Porto in Höhe von 3,50 Mark nötig gewesen. Ganz sicher wurde die Karte in einen Briefkasten eingeworfen, denn hätte man sie am Postschalter aufgegeben, wäre sofort aufgefallen, daß nicht genügend Porto aufgeklebt war.

    In der Briefabgangsbearbeitung des Postamts in Esslingen wurde die Karte gestempelt - der zeitlich frühere Poststempel auf der Karte - und dort ist das fehlende Porto bemerkt worden.

    Die Karte wurde nun vom Briefzusteller an den Absender zurückgegeben, mit dem Hinweis, daß noch 2 Mark zusätzlich aufzukleben wären (das hat allerdings nur funktioniert, weil der Absender seine Adresse auf die Karte geschrieben hatte). Nachdem die fehlenden 2 Mark nachfrankiert wurden, konnte die Karte wieder bei der Post abgegeben werden, wo die zusätzlich aufgeklebten Marken gestempelt wurden (der zweite Stempelabschlag). Erst jetzt wurde die Karte von der Reichspost befördert.

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    Eine schöne Kombination unterschiedlicher Poststempel ist auf der zweiten Karte zu sehen: der erste Stempel stammt vom Postamt 1 (Hauptpostamt), der zweite Poststempel auf der nachfrankierten Marke stammt vom Postamt 3 - sehr ungewöhnliche Kombination.
    Beide Karten habe ich übrigens bei einem Ansichtskartenhändler gefunden, deklariert als "2. Wahl" deshalb auch entsprechend günstig.

    Zwei erstaunliche Beispiele von Post-Service aus den 20er Jahren!


    Tauchbootbrief

    Beitrag vom 20. April 2007

    Es ist erstaunlich, welche Anstrengungen das Deutsche Reich während des 1. Weltkriegs unternommen hat, um den Handelsverkehr Richtung Amerika aufrecht zu erhalten. Als immer mehr Handelsverbindungen ins Ausland durch direkte Kriegsgegener unterbrochen wurden, versuchte das Deutsche Reich die wichtige Handels- und Postverbindung nach dem amerikanischen Kontinent wieder aufzubauen. Die Idee war einfach, geradezu simpel: mit einem Unterseeboot sollten Waren, Nachrichten und Postsendungen aus Deutschland nach Amerika befördert werden. Die gegnerische Kriegsflotte, die das Deutsche Reich vom Rest der Welt abtrennte, sollte regelrecht "unterwandert" werden. Die Deutsche Ozean-Reederei DOR in Bremen stellte für diese Aufgabe ein Unterseeboot (Tauchboot) zur Verfügung. Die erste Tauchbootfahrt im November 1916 endete jedoch mit einer Katastrophe. Das Tauchboot wurde von der britischen Kriegsflotte entdeckt und im Meer versenkt.

    Trotz dieses Rückschlags wurden zwei weitere Tauchboote in Betrieb genommen (Deutschland und Bremen). Ihnen gelang es, vom Feind unentdeckt, den amerikanischen Kontinent zu erreichen. Die Verbindung zur neuen Welt war wieder hergestellt.

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    Die dritte Tauchbootfahrt, geplant am 15. Januar 1917, wurde allerdings nicht mehr durchgeführt: die USA traten in den 1. Weltkrieg ein, als Kriegsgegener von Deutschland! Die Tauchbootfahrten wurden deshalb sofort eingestellt. Sämtliche Waren, die zur Beförderung mit dem Tauchboot bei der Werft in Bremen gelagert waren, wurden an die Absender zurückgegeben. Alle Postsendungen wurden mit dem auffälligen Stempel "Zurück. Wegen Einstellung des Tauchbootbriefverkehrs zurück an Absender" versehen, und an die Absender zurückgegeben. Den Absendern wurde das bereits bezahlte Beförderungsentgelt und die Kosten für die Zuleitung der "Tauchbootbriefe" nach Bremen von der Reichspost zurückerstattet. Allerdings musste hierfür der Briefumschlag als Quittung bei der Post abgegeben werden. Diese Umschläge wurden später dem Briefmarkenhandel überlassen. Deshalb sind die Angaben des Absenders und die Namen des Empfängers auf den Umschlägen unkenntlich gemacht worden.

    Der abgebildete Beleg ist der mir einzig bekannte Tauchbootbrief aus Esslingen (ich schließe aber nicht aus, daß weitere existieren). Gestempelt ist der Brief am 8.1.1917 mit dem Esslinger Innendienststempel, Unterscheidungsbuchstabe "a".

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    Für die Zuleitung musste der Brief in einem Umschlag, versehen mit der Anschrift "Tauchbootbrief nach Bremen", bei der Post aufgegeben werden. Diese Zuleitung nach Bremen kostete zusätzlich 2 Reichsmark. In Bremen wurden die Zuleitungsumschläge geöffnet, und die enthaltenen Briefe bei der Deutschen Ozean-Reederei zur Weiterbeförderung mit dem Tauchboot abgegeben.

    Interessant an diesen Tauchboot-Belegen ist eigentlich die Tatsache, daß sie nie wirklich postalisch befördert wurden, sondern lediglich zur Beförderung vorgesehen waren.

    Quelle: Deckname "U 200" - Die Tauchbootpost-Story 1916/1917; Claus Geissler


    Zensur im 1. Weltkrieg

    Beitrag vom 23. März 2007

    Ein äußerst interessanter Beleg für die Esslinger Heimatsammlung, allerdings mit Poststempel aus Stuttgart. Lediglich die Absenderangabe "Daniel Jeitteles, Kid Glove Manufacturer, Esslingen o. N." lässt seine Herkunft erkennen (Kid Gloves = Glacé-Handschuhe). Wie kommt aber nun der Stuttgarter Poststempel auf diesen Brief?

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    Eigentlich ganz einfach: während des 1. Weltkriegs wurden Briefe ins Ausland von den Postüberwachungsstellen geprüft. Beim Postamt in Esslingen wurde die Firmenpost zwar aufgegeben, aber nicht abgestempelt. Denn sie war ja nicht zur Beförderung freigegeben. Die ungestempelte Post wurde der Überwachungsstelle in Stuttgart vorgelegt. Nach der Prüfung wurde der Stempel "Zur Beförderung zugelassen" angebracht. Erst jetzt durfte der Brief durch die Post weiterbefördert werden. Die Briefe wurden nun im nahegelegenen Postamt in Stuttgart abgegeben und dort endlich gestempelt. Von dort aus erfolgte die Weiterbeförderung in die Vereinigten Staaten.

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    Sehr schön abgschlagen sind auch die Stempel der Überwachungsstelle Stuttgart vom Generalkommando des XIII. (Kgl. Württ.) Armeecorps. Nicht ganz so schön der Stempel des Generalkommandos auf der Vorderseite des Briefes.


    Handrollstempel mit Aptierung

    Beitrag vom 18. Februar 2007

    Auf den ersten Blick ist dies nicht gerade ein Traumbeleg für die anspruchsvolle Heimatsammlung. Ausgerechnet ein Rollstempel wurde für die Abstempelung verwendet. Jeder Briefmarkensammler würde angesichts der verunstalteten Marken den Brief achtlos zur Seite legen, und ihn wahrscheinlich irgendwann verärgert in den Papierkorb werfen.

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    Jedoch für den Heimatsammler ist so ein Beleg ein absolutes Spitzenstück. Ich kenne keinen Heimatsammler, der einen solchen Beleg zurückweisen würde. Diese Handrollstempel, noch dazu in einem derart klaren Abschlag, sind äußerst selten! Als ich dieses schöne, leider nicht ganz billige Stück in einer Ansichtssendung entdeckt habe, hätte ich vor Freude fast einen Luftsprung gemacht. Diesen Stempel kannte ich bisher nicht.

    Meine Freude wurde allerdings ein klein wenig getrübt, als ich diesen Stempel genauer betrachtet habe: in diesen Handrollstempel wurde nachträglich die Postleitzahl "(14)" eingearbeitet. Dies bedeutet natürlich, daß der Handrollstempel auch ohne Postleitzahl existieren muß.

    Auf der einen Seite hatte ich zwar einen neuen, mir bisher unbekannten Poststempel gefunden (was mich natürlich sehr gefreut hat), ich musste aber auf der anderen Seite den Handrollstempel ohne Postleitzahl in meine Fehlliste aufnehmen, was sehr ärgerlich war. Wieder ein Poststempel, der mir noch in der Sammlung fehlt. Aber immerhin weiß ich, wie er aussieht, es ist sicher nur eine Frage der Zeit, dann werde ich den nicht-aptierten Handrollstempel finden.

    Letztlich kann man wohl nie wissen, ob man wirklich alle Poststempel eines Postamts kennt und erfasst hat. Schon auf dem nächsten Tauschtag oder in der nächsten Ansichtssendung kann ein weiterer, bisher unbekannter Stempel auftauchen.


    Nebenstempel Controlé

    Beitrag vom 2. Januar 2007

    Neben den Poststempeln von Esslingen sammle ich gezielt auch die sogenannten "postalischen Nebenstempel". Der bekannteste dieser Stempelgruppe ist der Stempel "Nachgebühr", der in der Briefeingangsbearbeitung eines Postamts verwendet wird. Ein typischer Nebenstempel auf ankommender Post (incoming Mail), er dürfte sicher jedem Leser bekannt sein.

    Die unten abgebildete Postanweisung trägt einen Nebenstempel, der mir bisher nicht bekannt war. Angeboten wurde dieser Beleg als Kontrollpostanweisung mit dem Hinweis auf den Nebenstempel "Controle". In der Literatur habe ich dazu leider keinen Hinweis oder eine Erklärung finden können.

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    Die Postanweisung wurde vom Postamt Esslingen an das Postamt in Gmünd geschickt, ein Beleg aus dem postalischen Innendienst. Ob hierbei wirklich Geld "geflossen" ist, lässt sich schwer sagen, ich glaube eher nicht daran.

    Üblicherweise wird mit einer Postanweisung Geld von einem Ort (z.B. Esslingen) zu einem anderen Ort (beispielsweise Gmünd) transferiert. Der Geldbertrag wird aber sicher nicht bei jeder Anweisung auf postinternen Konten verbucht, man stelle sich vor, daß ein ähnlicher Betrag am selben Tag von Gmünd nach Esslingen angewiesen wird. Dann würde es ausreichen, nur die Differenz dieser beiden Postanweisungen postintern zu verbuchen.

    Über einen längeren Zeitraum könnte sich eine Differenz zugunsten Esslingens ergeben, einige Tage/Wochen später würde die Differenz zugunsten Gmünd ausfallen. Warum sollte man also permanent Geld hin und herschicken?

    Ich bin mir fast sicher, daß einmal im Monat alle Postanweisungen zwischen Gmünd und Esslingen aufgerechnet wurden, und der Saldo-Differenzbetrag dem anderen Postamt über die Kontrollpostanweisung angezeigt wurde. Für die abgebildete Postanweisung würde dies bedeuten, daß Esslingen dem Postamt Gmünd 136,40 Mark für den Monat Mai 1878 schulden würde. In Gmünd wurde natürlich ebenfalls abgerechnet, und es ergab sich (hoffentlich) der gleiche Betrag.

    Ich könnte mir vorstellen, daß auf diese Weise die gesamten Postanweisungen zwischen allen Postämtern in Württemberg abgerechnet wurden. Da es sich bei den Kontrollpostanweisungen um Belege aus dem postalischen Innendienst handelt, muß man sich wundern, daß diese erhalten geblieben sind und nicht - wie sonst üblich - vernichtet wurden.

    Die obigen Ausführungen sind lediglich eine Vermutung meinerseits. Ich schließe nicht aus, daß diese Kontrollpostanweisungen einem ganz anderen Zweck dienten. Für entsprechende Hinweise wäre ich Ihnen dankbar.


    Eine unscheinbarere Karte - Retour nach Esslingen

    Beitrag vom 16. Dezember 2006

    Manche Belege offenbaren ihre Geheimnisse erst auf den zweiten Blick. In diese Kategorie gehört die abgebildete Ganzsache, die am 6. März 1896 nach Gossau im Kanton St. Gallen in der Schweiz geschickt wurde.

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    Da der Empfänger nicht ermittelt werden konnte, wurde die Karte nach Esslingen zurückgeschickt und wurde am 8. März 1896 mit dem Eingangsstempel versehen.

    Zu diesem Zeitpunkt war das Esslinger Hauptpostamt noch im Bahnhofsgebäude untergebracht. Trotz der räumlichen Enge hatte das Postamt tatsächlich eine separate Briefeingangsbearbeitung, was durch den Eingangsstempel sehr eindrucksvoll dokumentiert wird. Dieser Stempel wurde ausschließlich als Ankunftsstempel verwendet, er kommt ganz selten auch als Entwerter vor.

    Interessant ist die Uhrzeitangabe in diesem Stempel: 12-6V ist die Zeit von Mitternacht bis 6 Uhr morgens (6-12N ist ebenfalls bekannt). Dieser Stempel wurde also vorwiegend Nachts verwendet. Mit dem ersten Bestellgang am Morgen des 8. März wurde die Karte dann wohl dem Absender zurückgegeben.

    Retour-Sendungen findet man recht häufig auch aus dieser Zeit. Aber meistens ist dann der Ankunftsstempel auf der Rückseite abgeschlagen. Schalterstempel und Ankunftsstempel gemeinsam auf der Vorderseite habe ich bisher nur einmal finden können. Darüberhinaus dokumentiert dieser Beleg die erste Verwendung eines speziellen Ankunftsstempels bei der Briefeingangsbearbeitung (Postzustelldienst). Bis zu diesem Zeitpunkt wurde für die Ankunftsstempelung der gewöhnliche Schalterstempel verwendet.

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